"Junkersstadt Dessau-West"
- 15.1. Standort "DigitaleSkulptur"
- 15.2. Junkers-Kaloriferwerk und -Kalorimeterbau
- 15.3. Junkers-Stahlbau
15.1. Standort "DigitaleSkulptur"
Die "Digitale-Skulpur" gehört seit dem 25.07,2016 zur Erinnerungskultur der Stadt Dessau und ist Teil des Junkers-Pfades.
Die "Digitale Skulptur", nach einem Entwurf des Architekten Dieter Bankert und des Engineering Designer Rainer Hänsch, erinnert an einen der wesentlichsten Schaffensorte von Prof. Hugo Junkers, der zwischen 2010 und 2012 dem Abriss anheimfiel. Am Standort der Skulptur, die aus Fragmenten der Stahlkonstruktion vom Verwaltungsgebäude des Kaloriferwerkes besteht und am 25. Juli 2016 öffentlich übergeben wurde, befanden sich die Unternehmen: Junkers-Kaloriferwerk (1908 gegründet, seit 1914 in Dessau), Junkers-Kalorimeterbau (1921), Junkers-Stahlbau (1926) und die zentrale Lehrausbildung der Junkerswerke (1927). Die technischen Geräte der Unternehmen kamen weltweit zum Einsatz. Man schätzte die moderne Junkerstechnik, vor allem ihre hohe Zuverlässigkeit und langlebige Qualität. Junkers-Stahlbauten bewähren sich noch heute in Europa, Asien, Süd- und Nordamerika. Im VEB Junkalor Dessau (1948-1990), entstanden am historischen Standort brenntechnische Messgeräte, Gasanalysatoren, Geräte zur dynamischen Durchflussmessung und medizintechnische Messgeräte von Weltniveau.
15.2. Junkers-Kaloriferwerk und -Kalorimeterbau
Cöthener Str.27, 1928 Junkersstr.103, ab 1948 Altener Str.43
Gesamtansicht Junkers Kaloriferwerk, später Junkalor Dessau, isometrische Grafik 1937. Das Verwaltungsgebäude der Firma war der letzte Bau der nach Intentionen von Prof. Hugo Junkers in Dessau entstand, Foto von 1976. Im November 2012 erfolgte der Abriss.
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Rundbogenhalle D 108, zentrale Wareneingang- und Versandstelle für Kalorifer-, Kalorimeter- und Stahlbau. In Rekordzeit gebaut: 08.09.-12.09.1929, Richtfest am 10.09.1929, Architekt: OttokarPaulssen, Baubüro Junkers. Der Bauablauf der Junkers-Stahllamellenkonstruktion wurde gefilmt. Es entstand ein Lehrfilm als Montageanleitung für Hallenbauten dieser Art.
Umgestaltung der Großen Halle im Junkers-Kaloriferwerk zum Werkstatt- und Bürogebäude, Projekt Mai 1934, Entwurf: Dr.-Ing. Wilhelm Klingenberg (nach Patent-Nr. 566 844 vom 05.12.1930). Eines der innovativsten Projektvorhaben von Prof. Junkers, in der eine Industriehalle durch eine in sich verschiebbare teleskopartige Dachkonstruktion in Junkers-Stahllamellen-Bauweise zum jeweiligen Raumbedarf variiert werden konnte und so der Wirtschaftlichkeit Rechnung trug. Das Projekt kam nicht zur Bauausführung.
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Verwaltungsgebäude Kaloriferwerk Hugo Junkers GmbH, 1935/36.
Künstlerischer Entwurf: Heinrich Ehmsen 1933, Architektur-Entwurf: Karl Schmidt, Statik und Bauausführung: Dr.-Ing. Wilhelm Klingenberg; Bauausführung Junkers-Stahlbau: ein Stahlskelettbau mit Steineisendecken und verklinkerten Außenwänden. Obwohl die Bauausführung vom künstlerischen Entwurf Ehmsens abweicht (Zugeständnisse an die Verhältnisse der damaligen Zeit) besaß dieser Stahlskelettbau moderne konstruktive und bautechnische Lösungen, so dass er zu Recht in die Kreis-Denkmalliste der DDR aufgenommen wurde (VEB Junkalor Dessau). Nach der Umwandlung des VEB Junkalor Dessau im Jahre 1990 in eine GmbH und deren anschließende Privatisierung durch die Treuhand wurde in der Folgezeit das Unternehmen abgewickelt. Die denkmalgeschützten Objekte an diesem Standort, das Verwaltungsgebäude und die Junkers-Stahllamellenhalle, waren dem Verfall preisgegeben. 2003 stellte die Stadt Dessau den Abrissantrag für den Junkers-Stahlskelettbau, dem die Obere Denkmalbehörde in Halle trotz Bürgerprotesten zustimmte. "Das Verwaltungsgebäude muß heute als wichtiges regionales Architekturzeugnis des Neuen Bauens betrachtet werden, wobei der Einfluß der Dessauer Bauten der Moderne nicht zu übersehen ist. Der Bau ist auf Grund seiner besonderen Lage, die mit der seinerzeit veränderten Straßenführung zusammenhängt, außerdem von
hoher städtebaulicher Bedeutung. In stadt- und technikgeschichtlicher Hinsicht ist das Gebäude ein wichtiger Informationsträger des Wirkens von Hugo Junkers in Dessau. Als ganz herausragendes Zeugnis muß die Zusammenarbeit von Hugo Junkers mit seinem Baubüro mit dem Künstler Heinrich Ehmsen eingeschätzt werden, dessen einzigen Architekturentwurf es hier zu schützen gilt."
(Quelle: Landesamt für Denkmalpflege, 23. 10. 2001)
Rundbogenhalle für das Kaloriferwerk im Rohbau, 1929. Stahlskelett des Verwaltungsgebäudes in der Bauphase 1935/36
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Zentrale Lehrwerkstatt der Junkerswerke, Kaloriferwerk. Hier fertigte Marcel Breuer, Leiter der Bauhaus-Tischlerei, zwischen 1925/28 die ersten Prototypen seiner berühmten Stahlrohrmöbel. Das Gebäude steht heute nicht mehr.
15.3. Junkers-Stahlbau
Reklame und Montagedarstellung zur Junkers-Stahllamellenbauweise, 1929.
Cöthener Straße, 1928 Junkersstr.103
- Fertigungs- und Montagehalle I für den Junkers-Stahlbau, 1934/35, unmittelbar an der Eisenbahntrasse Dessau-Köthen parallel zum Schwarzen Weg in Richtung der Junkersstraße angelegt und später erweitert. Ausgeführt als moderne Stahlbaukonstruktion in einer Flachdach-Fachwerkbauweise mit ausgefachtem Verblendsteinmauerwerk und seitlich angebrachten Oberlichtbändern.
- Fertigungs- und Montagehalle II für den Junkers-Stahlbau, 1938, Bauausführung erfolgte als Rundbogenhalle mit einer neuartigen Stabnetzwerk-Konstruktion nach Patent-Nr. 689 228 vom 18. August 1938. Nach der Schließung von Junkers-Stahlbau 1948 übernahm der spätere Zementanlagenbau die Halle und baute diese Mitte der 1960er Jahre zu einer Sporthalle der BSG ZAB Dessau aus. Nach umfangreichen Umbauten zwischen 2000-2002 repräsentiert sich die heutige "Anhalt-Arena" als zweitgrößte Sporthalle des Bundeslandes Sachen-Anhalt mit bis zu 3.700 Plätzen.
Anhalt-Arena Dessau, eine Junkers-Stahlstabkonstruktion, ab 2000 modernisiert. Typenblatt für Junkers-Hallen in Leichtbauweise.
Diese Dessauer Betriebe, die im Jahre 1941 als "Hugo Junkers Werke GmbH München" firmierten, wurden auf Weisung der Sowjetischen Militäradministration Deutschland (SMAD) 1946 der Deutschen Revisions- und Treuhand-Aktiengesellschaft der Sowjetischen Besatzungszone unterstellt und 1948 in Volkseigentum überführt.